Psychische Gewalt hat körperliche Folgen: Dauer-Alarmmodus im Körper
- Nina Lehmann

- 13. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 11. Apr.

Psychische Gewalt bleibt nicht nur in deiner Psyche. Sie wirkt in deinem Körper und kann körperliche Beschwerden und Erkrankungen begünstigen.
DAUER-ALARMMODUS
In der Beziehung mit einem Narzissten oder einer Narzisstin ist dein Nervensystem dauerhaft im Alarmmodus. Der ständige, unvorhersehbare Wechsel zwischen Zuneigung und Abwertung oder Gewalt führt zu chronischem Stress. Diese anhaltende Aktivierung kann deine körperliche Gesundheit langfristig erheblich beeinträchtigen und schädigen.
WAS IM KÖRPER PASSIERT
Psychische Gewalt und chronischer Stress aktivieren dein Alarmzentrum, die Amygdala. Wenn die Amygdala wiederholt Gefahr meldet, wird die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse aktiviert, also dein Stresshormonsystem.
Das führt wiederum zur Ausschüttung von Cortisol, einem zentralen Stresshormon. Cortisol stellt deinem Körper Energie bereit, damit du auf Gefahr reagieren und entsprechend funktionieren kannst. Gleichzeitig drosselt es im Körper vorübergehend Prozesse, die nicht akut überlebenswichtig sind. Dazu gehören zum Beispiel deine Immunregulation und dein Stoffwechsel.
Diese Stressreaktion soll dich vor realer Gefahr schützen. Problematisch wird es jedoch, wenn diese Aktivierung, wie es in narzisstischen Beziehungen durch chronischen Stress passieren kann, nicht mehr endet. Wenn dein Nervensystem dauerhaft auf Gefahr eingestellt bleibt, bekommt dein Körper zu wenig echte Erholung. Und genau das kann auf Dauer körperliche Folgen haben.
MÖGLICHE KÖRPERLICHE FOLGEN PSYCHISCHER GEWALT
Psychische Gewalt und der daraus entstehende chronische Stress können sich langfristig auf verschiedene Systeme im Körper auswirken. Bei anhaltender Stressaktivierung können unter anderem folgende Beschwerden auftreten.
HERZ & KREISLAUF
Möglich sind erhöhter Blutdruck sowie ein erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen und Gefäßverhärtungen. Wenn der Körper dauerhaft auf Alarm eingestellt ist, bleibt auch das Herz-Kreislauf-System länger im Leistungsmodus, statt regelmäßig in echte Erholung zu wechseln.
STOFFWECHSEL
Auch der Stoffwechsel kann betroffen sein. Ein erhöhter Blutzucker kann auftreten, weil Stresshormone den Energiehaushalt beeinflussen und der Körper dauerhaft schneller bereit sein muss.
GEHIRN & KONZENTRATION
Viele Betroffene berichten über reduzierte Gedächtnisleistung und Konzentrationsfähigkeit. Wenn dein System dauerhaft im Alarm bleibt, ist dein Gehirn stärker mit Überleben und Orientierung beschäftigt als mit Speichern, Lernen und Fokus. Das kann sich wie Nebel im Kopf, Brain Fog, anfühlen.
IMMUNSYSTEM
Chronischer Stress kann auch das Immunsystem beeinträchtigen. Das kann sich als erhöhte Infektanfälligkeit zeigen oder als das Gefühl, ständig anfälliger zu sein als früher und weniger Widerstandskraft zu haben.
SCHLAF, INNERE UNRUHE & SCHMERZEN
Häufig sind Schlafstörungen und innere Unruhe. Der Körper kommt abends nicht zur Ruhe, die Gedanken kreisen, der Schlaf wird leichter oder weniger erholsam. Dazu können chronische Schmerzen kommen, zum Beispiel durch dauerhafte Anspannung und fehlende Regeneration.
VERDAUUNG & FUNKTIONELLE BESCHWERDEN
Auch die Verdauung kann reagieren. Funktionelle Beschwerden wie Reizdarm sind möglich. Das bedeutet: Es gibt Symptome, die real sind, auch wenn sich nicht immer eine eindeutige organische Ursache finden lässt.
WICHTIG ZU WISSEN
Psychische Gewalt kann körperliche Folgen haben. Sie kann chronischen Stress auslösen und die körperliche Gesundheit beeinträchtigen. Nicht jede Person entwickelt alle beschriebenen Beschwerden. Entscheidend ist, dass psychische Gewalt dir nicht nur mental, sondern auch körperlich schaden kann. Dein Körper reagiert, wenn dein Nervensystem über längere Zeit im Alarmmodus bleibt. Genau deshalb ist psychische Gewalt genauso ernst zu nehmen wie körperliche Gewalt.
Wenn du während oder nach einer narzisstischen Beziehung merkst, dass dein Nervensystem nicht mehr richtig runterfährt, ist das ein ernstzunehmendes Signal. Es kann hilfreich sein, traumasensibel und körperorientiert zu arbeiten und körperliche Symptome medizinisch abklären zu lassen. Nicht, weil du dir etwas einbildest, sondern weil dein Körper real reagiert.



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